Klar, First Class fliegen ist cool. Es ist echt schön in der Cathay Pacific von Hong Kong nach London (Review) schön über den Wolken zu essen. In einer Etihad First von New York nach Abu Dhabi (Review) ausgiebig zu schlafen und vollkommen relaxed anzukommen ist wirklicher Luxus. Über schlechtes englisches Essen in einer British Airways von Seoul nach London (Review) zu lästern, gehört einfach dazu. Gegen ein Glas Dom Perignon in einer Thai First von Bangkok nach Sydney (Review) kann keiner etwas dagegen haben. Sich in mit einem Mao Pyjama in einer China First von Peking nach London (Review) zu kleiden ist richtiger Lifestyle. Und natürlich fühlt man sich nach einer Dusche in der Emirates First im A380 von Bangkok nach Hong Kong besser.

Man muss jedoch etwas klarstellen: Eine internationale First Class ist gröber absurd. Das soll jetzt nicht das übliche #firstworldproblems Raunzen sein. Ich fühle mich jetzt nicht wirklich besser, wenn ich darüber schreibe, dass es vielen Menschen sehr schlecht geht und meine Probleme in einer First World verglichen dazu eigentlich egal sind. Und während man seine Postings und Reviews mit diversen politisch korrekten Hashtags versieht, bucht man bereits den nächsten First Flug und lästert über eine Suite. Das finde ich noch gröber absurder als eine First Class an sich.

Worin liegt jetzt die eigentliche Widersinnigkeit einer First Class? Ich denke drei Phänomene – Überkompensation, Verschwendung und Isolation – sind die Stichworte hierfür.

Überkompensation
Die Suizid Forschung hat ganz klar eine erhöhte Suizid Gefährdung in den einkommensschwachen und einkommensstarken Schichten einer Gesellschaft entdeckt. Das Menschen mit einer sozialen Problematik es nicht so einfach haben, das leuchtet ein. Warum aber nehmen sich Banker in Krisenzeiten das Leben? Meistens ist es ja so, dass sich nur der Reichtum verkleinert hat, sie sind durch eine Wirtschaftskrise jedoch nicht arm geworden. Das Stichwort dürfte hier die Angst vor sozialem Abstieg sein. In einer First Class wird diese Angst wunderbar überkompensiert. Was bringt es eine Flasche Champagner zu trinken? Eigentlich nichts, aber man wird irgendwie beruhigt. Und das nicht nur aufgrund der toxischen Wirkung.

Verschwendung
Wenn ein Flugzeug mit einer First startet, hört man in der First nur das Klirren des mitgeführten Geschirrs. In manchen First Class Produkten ist das Verhältnis von Flugbegleitern zu Gästen 1:3. Soll ich noch mehr aufzählen? Seit der Club of Rome uns 1972 auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen hat, sollte jedem klar sein, dass Verschwendung einer der neuen Todsünden darstellt. Und was macht es mit mir, wenn ich trotz dieses Wissens im Konsumrausch aufgehe?

Isolation
Der Mensch ist mit den Worten von Martin Buber ein Ich, das auf ein Du verwiesen ist. Die Menschen sind grundsätzlich soziale Wesen und auf ein Gegenüber angewiesen. Erst im anderen erkenne und sehe ich mich selbst. In einer First Class wird aber mit allen Mitteln jeglicher Sozialkontakt versucht zu verhindern. In einer guten First Class wird man durch den Flughafen geführt, in einer menschenentleerten Lounge geparkt und dann an der Economy und Business vorbei in das Flugzeug geschleust. Der Zugang zur Business wird wie der eiserne Vorhang bewacht. Als ich einmal von der Economy in die Business gehen wollte, hat mich ein Steward strikt abgehalten. Erst eine zweite Flugbegleiterin musste ihn darauf aufmerksam machen, dass ich einen Pyjama der First trage und er mich schon durchlassen sollte. Sitzt man dann da vorne ist es, obwohl ich immer in Begleitung reise, eigentlich sehr einsam. Man könnte ja nicht einmal damit angeben, in einer First zu sitzen, denn dort ist niemand und bis auf andere First Gäste sieht man niemanden. Auch in den riesigen Suiten mit der polierten Einrichtung und perfekter Aussicht fühle ich mich manchmal wie Bill Muray in Lost in Translation. Auch er sitzt ganz irritiert im Park Hyatt Tokyo (Review) am Bett und hört nur Stille.

Ich möchte nicht mein Gewissen mit dem #firstworldproblems erleichtern. Das First Class reisen, die ganze Zeit in Suiten, das verändert und hat Effekte auf unser Sein, Denken und Handeln. Man sollte sich dessen schon bewusst sein.

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