Am Mittwoch ist EK521 nach einer chaotischen aber gleichzeitig geglückten Evakuierung am Flughafen Dubai in Flammen aufgegangen. Jetzt tauchen immer mehr Videos von Fluggästen auf, bei denen man hautnah Zeuge der sehr brenzlichen Situation wird.

Immer wieder gibt es prekäre Situationen, bei denen Flugzeuge sofort geräumt werden müssen. EK521 hat Feuer gefangen, die technische Ursache wird noch geklärt werden.

Statt aber das bereits verrauchte Flugzeug schnellstens zu verlassen, haben einige Passagiere entgegen der Anweisungen noch ihr Gepäck gesucht und damit die Evakuierung verzögert bzw. verhindert. Auf den Videos hört man schön die Schreierei der Crew, die einfach die Leute nicht aus dem bereits verrauchten Flugzeug bekommen haben. Die Fluggäste mit dem Gepäck haben regelrecht alles verstopft. Deswegen soll man die Habseligkeiten ja zurücklassen. Wieder andere Passagiere – man findet bereits einige unterschiedliche (!!!) Videos des Vorfalls auf YouTube – hatten nichts Besseres zu tun, als die Geschehnisse zu filmen und das Flugzeug auch nicht zu verlassen.

In den sozialen Netzwerken hat dieser Vorfall zu einigen rassistischen Kommentaren und Beiträgen gegen die indischen Passagiere geführt. Livefromalounge.boardingarea.com hat hierzu einen guten Artikel

 verfasst: Emirates’ Fire catches the racist spin from a flight crew!

Ja, Livefromalounge.boardingarea.com hat vollkommen Recht. Bei weitgehend jeder Evakuierung der letzten Jahre hat man Passagiere mit Gepäck gesehen und das vollkommen unabhängig von Ethnie, Herkunft, Alter oder Nationalität.

Man kann den schwarzen Peter also nicht, wie man das so gerne tun würde, irgendwelchen Bevölkerungen zuspielen. Es ist das scheinbar ein fundamentaleres Problem. Auch auf diese Leute böse zu sein bringt wenig. Die Moralisierungen können wir uns sparen.

Wir haben einige Dinge festzustellen: Es gibt immer Passagiere, die ein extrem starkes Bedürfnis haben, ihre Habseligkeiten zu retten. Das stellen sie irrational sogar über ihr eigenes Leben bzw. das Leben anderer Passagiere. Sogar eine verrauchte Kabine führt nicht zu einer anderen Einschätzung der Lage. Bei den Herstellern der Filme ist die Sache ähnlich. Die Situation zu filmen und eine mögliche Berühmtheit erscheinen wichtiger als das eigene Leben.

Eine klassische Fehlargumentation ist die aus der Tradition heraus. Warum macht man etwas? Weil man es immer schon so gemacht hat. Wir erkennen, bei den Evakuierungen halten sich die Menschen einfach nicht an die Regeln bzw. Anweisungen. Man kann da jetzt so weitermachen, bis es dann irgendwann nicht so gut ausgehen wird. Oder man verändert Dinge.

Die Sicherheitsanweisungen gerade bei der Langstrecke sind oft gehetzt und werden nicht wirklich wahrgenommen. Die Experience bei Start und Landung – den gefährlichsten Teilen des Fluges – soll eigentlich nicht gestört werden. Airlines sind sogar dazu übergegangen das Entertainment Programm durchlaufen zu lassen. Ich bin mir schon immer der Situation bewusst. Ich lasse beim Start sogar in der First die Schuhe an, falls es schnell gehen soll. Ich bleibe weiter angezogen und wechsle nicht in einen Pyjama. In einer First oder Business betrinke ich mich nicht sinnlos, es könnte ja sein, dass man wirklich evakuieren muss. Ich habe meinen Pass und meine Dokumente direkt bei mir.

Wie kann man das Bewusstsein der Passagiere auf das Zurücklassen des Gepäcks steigern? So funktioniert es scheinbar nicht.