Abseits der Trampelpfade ist meine Welt. Ist Armenien nun ein Traumziel und kann man es empfehlen oder doch nicht?

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Über viele Länder denke ich gar nicht nach, ob ich dorthin nochmals reise. Bei den Klassikern kommt man gar nicht umhin sie zu bereisen. Irgendwann hat mich mal wer gefragt, ob ich schon mal in London war. So netter Small Talk eben. Ich kann es aber eigentlich nicht mehr genau bestimmen, wie oft ich schon in London war. Das ist für mich unmöglich und genauso geht es mir bei vielen anderen Städten Europas. Ich könnte auch nicht mehr sagen, wie oft ich in Bangkok, Singapur oder Kuala Lumpur war. Da kommt man immer durch und hört zu zählen auf.

Entlegene Reisezeile muss man aber bewusst suchen und gezielt dorthin fahren. Armenien zähle ich eher zu einer exotischen Destination. Was hat mir dort gefallen? Was war an Armenien schwierig?

Die Anreise ist kompliziert

Jerewan wird absolut selten angeflogen. In der dunkelsten Nacht weit nach Mitternacht fliegen wenige europäische Airlines dorthin. So richtig Party Stimmung kommt am Airport Jerewan aber nicht auf. Für eine so große Stadt gibt es nur eine Handvoll Flüge. Die europäischen Airlines binden Jerewan dann auch nur mit einer inner-europäischen Business an. Das ist für so einen Nachtritt eine brutale Veranstaltung. Jerewan Airport selbst ist super neu, sauber und funktioniert sehr gut.

Jerewan hat eine raue Schale

Als Armenien eine Sowjetrepublik wurde, ist man dort vollkommen irre geworden. Man wollte eine neue Stadt errichten und das alte Bürgerliche ausreißen. Der kommunistische Stararchitekt hat mit dem Bulldozer alle historischen Gebäude schleifen lassen und extrem brutale Gebäude für Jerewan geplant. Nun gibt es eigentlich keine Altstadt mehr. Nur mehr düstere drückende Bauten beherrschen das Stadtbild.

Weil man die Zeit nicht mehr zurückdrehen kann, bleibt ihnen nichts anderes übrig als die Ideen der kommunistischen Architekten jetzt zu einem Ende zu bringen. Die großen Boulevards werden fertig gestellt. Auch die Monumentalgebäude bekommen den letzten Schliff. Lieblich und schön anzusehen ist diese Stadt wirklich nicht. Fertig ist sie auch noch nicht. Eine riesige Baustelle.

Dahinter verbirgt sich aber eine sehr lebenslustige Metropole. Die Stadt wimmelt von Restaurants, Bars, Kneipen und Cafes. In Jerewan kann man es sich gut gehen lassen. 24 Stunden Geschäfte, Bordelle, Casinos (brauche ich beide nicht), Non-Stop Blumenhändler für die Versöhnung danach, eine vollkommen absurde Mischung.

Kulinarisch spielt man großes Theater

Die armenische Küche ist ein Hammer. Man kommt ohne Gewürze aus, und verfeinert stattdessen mit Kräutern. Very unique und sehr genial. Gerade in Jerewan finden sich unzählige hervorragende regionale Restaurants. Fast Food hat es dort echt schwer und angesichts der Konkurrenz durch die lokale Kochkunst ist es nicht vorhanden. Weil es wenig Tourismus gibt, sind die Preise sehr passabel. Einmal in ein Lokal und die Karte durchkosten war häufiger meine Devise.

Am Land wird es sehr einsam

Man ist das so gar nicht mehr gewohnt. Viele asiatische Länder sind nicht superreich, aber Supermärkte gibt es überall. In Asien findet sich an jeder Ecke ein Seven Eleven oder Family Mart. In Armenien gibt es am Land keine Supermärkte. Der Einzelhandel liegt in der Hand kleiner regionaler Shops oder es gibt nur Verkaufsbuden. Auch internationale Tankstellen sucht man vergebens. Aus irgendeinem Tank wird Benzin gezapft. Meistens ist der auch noch dazu falsch angeschrieben. Der Tankwart beruhigt dann aber schnell. Restaurants am Land sind nicht so das große Thema. Außerhalb von Jerewan isst man zu Hause.

Keine Restaurants, keine internationalen Tankstellen und keine Supermärkte ist man einfach nicht mehr gewöhnt. Irgendwie schon sehr fremd.

Das ganze Land ein Offroad Trail

Allrad ist ein absolutes Muss. Im Winter würde ich sogar Fahrzeuge mit Sperrdifferential und Offroad Gimmicks empfehlen. Die Überlandstraßen haben zwischen den Schlaglöchern Reste von Asphalt. Möchte man aber in ein Dorf fahren oder eine Seitenstraße, dann braucht man 4WD oder mehr. Die Strecken durch Armenien sind unglaublich schwierig zu bereisen. Hat man eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Km/h bei einer Fahrt durchs Land ist man gut. Abseits der Hauptverbindungen geht es mitunter im Schritttempo. Es ist aber wenig Verkehr, das macht das Fahren sehr angenehm. Es ist sogar ein wenig unheimlich, weil nach einer Fahrt für eine Stunde ohne andere Verkehrsteilnehmer, erschrickt man dann gern, wenn wieder ein Auto da ist.

Es gibt gute Hotels

Das Land ist klein. Es gibt herrscht wenig Tourismus, vor allem Studienreisen und Bibelgruppen geistern herum. Armenien ist also nicht der Hot Spot der Welt, aber trotzdem findet man internationale Hotels. Das Niveau ist sehr gut. Da muss man sich wenig fürchten.

Die mittelalterlichen Klöster sind spektakulär, aber vereinsamt

Armenien rühmt sich seiner uralten christlichen Geschichte. Gerade diese Kirchen und Klöster aus dem Mittelalter sind wunderschön und an spektakulären Orten. Die Location ist immer sehr unwirklich und meistens atemberaubend. Schon nett.

Ehrlich gesagt hat jedes größere Dorf ein mittelalterliches Kloster. Die stehen dort wild in der Landschaft rum. Teilweise sind sie verfallen, manche hat man wieder schön gemacht und die Auszeichnung Weltkulturerbe drauf gehängt.

Ein wenig mehr religiöses Leben hätte ich in diesen Klöstern erwartet. Die mittelalterlichen Klöster sind weitgehend verweist und werden – wenn es gut geht – nur mehr als Pfarrkirche verwendet. Monastisches Leben gibt’s rund um diese Klöster nicht mehr wirklich.

Eine wunderschöne Landschaft

Alle paar Kilometer ändert sich die Landschaft. Es ist mitunter so gewaltig und beeindruckend, dass man regelrecht erschlagen wird. Ich hatte einen Kulturschock nicht aufgrund des Landes, sondern der Natur. Mal Hochgebirge, dann ein Pass, dann ein fruchtbares Seitental, wieder Einöde, bunte schillernde Berge und wieder braunes Nichts. Das Land ist wie ein großer Naturfilm.

Die Kriege

Die Gegend dort ist nicht so ganz friedlich. Mit Aserbaidschan liefert sich Armenien einen Konflikt um Berg Karabach und Nachitschwan. Nachitschewan gehört zu Aserbaidschan, ist durch Armenien und Berg Karabach davon getrennt. Berg Karabach gehört eigentlich zu Aserbaidschan, wurde von Armenien besetzt und sieht sich als Teil von Armenien. Alles sehr kompliziert.

Dann fährt man durch Südarmenien. Hinter dem einen Berg ist Berg Karabach. Hinter dem anderen Berg ist Nachitschewan. Dort ist aber eigentlich nix, ein Ziegenhirte hütet seine Schafe. Auf einmal fliegt ein Apache Hubschrauber und macht Übungen. Angesichts der Armut in dieser Gegend Südarmeniens leuchten kriegerische Aktivitäten irgendwie nicht ein.

Die Luftverschmutzung

Dieser Part ist echt mühsam. Man steht da auf einer einsamen Alm in Armenien und es riecht wie wenn man neben einem USSR Hochofen stehen würde. Die Luftqualität sollte an so einem Ort gut sein. Irgendwie leidet aber ganz Armenien an Luftverschmutzung.

Armenien – Ja oder Nein

Ich hatte die Alternative Garuda Indonesia First nach Indonesien (FUNKTIONIERT: Garuda Indonesia FIRST Amsterdam / London – Jakarta: 736 Euro) oder eine Reise nach Armenien. Nur um einen First Review zu schreiben, war mir aber zu wenig. Es wurde Armenien.

Armenien ist ein raues und uriges Land. Die Nachbarländer Georgien und Aserbaidschan wirken entwickelter und lieblicher. Armenien muss man aber gesehen haben. Gerade die Natur ist ein echtes Special!

Mein Armenien Special

Armenien: Eine Fahrt durch Südarmenien
Armenien – Jerewan: Ein Stadtspaziergang durch Jerewan
Armenien – Südarmenien: Mit der längsten Luftseilbahn über eine 500 Meter tiefe Schlucht zum Kloster Tatew
Armenien – Südarmenien: Noch ein armenisches Kloster aus dem Mittelalter – Noravank
Armenien – Südarmenien: Zorats Karer
Austrian Dash 8 Business Prag (PRG) – Wien (VIE)
Austrian A319 Business Wien (VIE) – Jerewan (EVN)
Austrian A320 Business Jerewan (EVN) – Wien (VIE)
Austrian Embraer Business Wien (VIE) – Prag (PRG)
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