Air India hat mein First Ticket in eine Business umgewandelt. Jetzt war der Flug und es wurde spannend …

Vor einigen Monaten habe ich mir ein Air India First Ticket von London über Delhi nach Mumbai gegönnt. Mit Lifemiles ist das gut machbar. Air India First ist ein absolut exotisches Produkt und das wollte ich sehen. Lifemiles hat mein Ticket korrekt für den First Flug von London nach Delhi in einer 777 First ausgestellt.

Air India hat mir da aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich habe dann Wochen später das Ticket kontrolliert und auf einmal war aus der First eine Business geworden. Air India hat kurzfristig auf der London – Delhi Strecke die 777 durch eine 787 ersetzt und die hat bekanntlich ja keine First.

In einem Beitrag aus dem Mai habe ich dann einige Szenarien durchgespielt: Mein Air India First Buchungsdesaster!

Air India bucht mich auf eine andere First. Avianca bucht mich auf eine andere First. Beide Geschichten habe ich bei anderen Airlines schon erlebt, sogar über Allianzen hinweg.

Das Problem war aber ein gegenseitiges Zuschieben der Schuld. Avianca konnte das First Ticket nicht umbuchen, weil es noch immer ein First Ticket war und Air India es scheinbar nicht umgestellt hat (man konnte mit Meilen die F noch immer buchen). Air India wollte nichts ändern, weil es ein Avianca Ticket gewesen ist. Irgendwie war ich auf einmal zwischen den zwei Airlines in einer Art Nirvana gefangen. Nach stundenlangen Telefonaten (mit Wartezeiten länger als der Flug selbst) habe ich beim Avianca und auch beim Air India Callcenter aufgegeben. Wenn es wirklich ein Downgrade von der First in die Business sein soll, dann würden mir ja die europäischen Fluggastrechte helfen.

Es gab dann auf diesen Beitrag (Mein Air India First Buchungsdesaster!) echt sehr viele hilfreiche Kommentare.

Steeve:

“Für EU-Entschädigung muss man immer beim ausführende Fluggesellschaft sein. Für Meilentickets kann man auch Entschädigung bekommen.
Die Berechnung kann man hier lesen:
– Teilpreis ( Quotienten aus der Länge der betroffenen Flugstrecke und der der Gesamtstrecke der Beförderung entspricht, ganz egal dass du verschiedene Klassen gebucht hast)
– Steuer und Gebühren gehören nicht zum Flugscheinpreis :(“

Christoph:

“Daniel hat da Recht. Das korrekte Prozedere ist, dass sich die issuing airlines um das Ticket kümmern muss; die ausführende Airline hat auf e-tickets nur Zugriff innert 24h vor Abflug (also wenn das Ticket unter airport control ist). Es gibt zwar eine Möglichkeit, dass die operating Fluglinie das gesamte Ticket “übernimmt”, ist aber sehr unüblich und schwierig, insbesondere kann dies die issuing airline verweigern. Also ja, Avianca müsste sich darum kümmern. Und dazu sage ich nur: Viel Spaß ;)”

Michael:

“Ownership of PNR wird 24h vorher von (O)TA / issueing carrier auf operating carrier übertragen, das ist richtig.
Aber der operating carrier kann jederzeit Vollzugriff über ein eTicket übernehmen, haben die bloß kein Bock drauf, da dann der auszustellende TA / OTA / issueing carrier keinen Zugriff mehr hat.
Genau das ist bei AZ FLR-TYO-DUS ef passiert, AZ hat ownership übernommen, OTAs konnten nicht mehr refunden, nur refund requesten über BSP aber etickets konnten die nichts mehr machen.
Da es hier aber ein Fall von EU261/2004 ist, ist der operating carrier der Ansprechpartner – fertig, aus.”

Michael nochmals:

“Ich hab schon recht viele Airlines verklagt und mit dem richtigen Anwalt auch immer gewonnen und kann daher bissle aus Erfahrung sprechen:
Zuständig ist eindeutig operating carrier, also Air India, egal auf welchen Ticket Stock es ausgestellt wird, es zählt nun mal operating carrier.
Downgrade + refund: Ob Meilenticket oder nicht, es wird zur Berechnung der Revenue Preis genutzt (war jedes Mal in meinen Verfahren so), auch inkl. YQ weil Richter auch so gesehen hat, dass YQ heutzutage Bestandteil des Tickets ist und nur gov. taxes wirkliche taxes sind.
Zur Berechnung werden die Segmente genommen, die downgegradet wurden, bei dir alle.
Nun wie berechnet man es? Offiziell mit der historical fare in der GDS, man muss schauen, was es genau zum Zeitpunkt des Kaufes gekostet hat, da ja
1) lastminute immer mehr kostet
2) in deinem Fall ja gar kein F mehr in den GDS geladen ist, da es nicht angeboten wird.
Historical fares kann jeder TA nachschauen, kennst bestimmt jemanden, der GDS Zugang hat um eine Idee zu bekommen, wieviel es gibt.
Such dir einfach einen Fachanwalt für Fluggastrechte und fertig, die Kosten muss eh der ‘Verlierer’ vor Gericht bezahlen (nach deutschen Gesetz, wenn du natürlich in der UK klagen musst da Abflughafen kann das natürlich anders sein)”

Ich war also in diesem Nirgendwo gefangen. Avianca konnte bzw. wollte den Flug nicht ändern. Air India konnte bzw. wollte den Flug nicht ändern.

Vorgestern bin ich in London angekommen und dann am nächsten Tag weitergeflogen. Dann habe ich mal beim Schalter von Air India und Avianca (die sitzen in London gegenüber) vorbeigeschaut. Das dort war dann echt crazy. Der ersten Lady habe ich das mal erklärt. Dann kam eine Managerin von Air India in London. Die hat gemeint, es wird von Air India nichts umgebucht, sie werden mit Avianca eine Lösung bereitstellen.

Der Avianca Lady war das vollkommen egal, sie hat an das Callcenter verwiesen und der Air India Lady die firmeninterne Nummer gegeben. Die Air India Lady hat das dann echt lange probiert, aber auf keiner Hotline Nummer war wer zu erreichen bzw. die Agents haben immer aufgelegt. Sogar auf der Hotline für die Airlines :DDD

Randnotiz: Auf meine Frage, ob sie das denn nicht häufiger als Problem hätten. Air India wird ja mehr First Ticket als meines verkauft haben? Original Antwort: “Air India First bucht niemand, deswegen ist das Problem neu.”

Ich bin dann wieder weitergezogen und habe ein wenig in London Party gemacht. Am nächsten Tag war ich dann für meinen nicht-existenten First Flug am Flughafen Heathrow. Die Air India Managerin hat mich einem anderen Manager vorgestellt. Der meinte, er könne nichts machen, ich sollte Business fliegen. Auch Verweise auf die Fluggastrechte sind bei den Air India Mitarbeitern komplett abgeprallt. Ich wollte mir eigentlich einen Rechtsstreit mit Air India ersparen. Den Managern in London war das relativ egal.

Beim eigentlichen Check-in wurde es dann nochmals verrückter. Der Agent konnte mich nicht einchecken. Er meinte, das Ticket sei noch immer ein First Ticket, aber es gäbe diese Plätze einfach nicht. Das Ticket musste erneut verändert werden. Immer mehr wurde mir schon klar, dass ich mit meinem Wunsch First zu fliegen, eigentlich in einem riesigen Glitch gelandet bin.

Ich bin dann schön brav mit der Business von London nach Delhi. Nicht so ein toller Flug, aber der Review folgt noch.

In Delhi hat man mich dann gleich beim Gate abgepasst. Drei Mitarbeiter sind da mit einem Schild mit meinem Namen gestanden. Ein Herr mit Anzug wollte unbedingt meinen Boarding Pass sehen. Ein wenig war ich da schon skeptisch, weil das ja letztlich für einen etwaigen Disput ein Beweis ist. Nimmt man mir den weg, macht man es mir schwierig zu argumentieren.

Ganz erstaunt und verwundert hat er sich den Boarding Pass angesehen und gemeint: “Sie sind wirklich jetzt in der Business geflogen?” Weil ich ja scheinbar im digitalen Wirrwarr von Air India scheinbar ein First Passagier war, gab es den persönlichen Escort zum Weiterflug. Wie es eben für einen First Passagier vorgesehen ist.

Irgendwie kann ich mich über die Story nur wundern. Was stellen sich das beide Airlines eigentlich vor. Man kauft sich einen Sportwagen und bekommt einen Family Van hingestellt. Klar, beide transportieren Menschen, aber die zwei Fahrzeuge kann man doch nicht vergleichen. Man kauft in der realen Welt einen Ferrari und bekommt einen Fiat geliefert. Das würde ja niemand akzeptieren.

Spannende Story, jetzt werde ich mal – mit den Berechnungsschlüsseln aus den Kommentaren – bei Air India anklopfen. Fluggastrechte gelten gegenüber der ausführenden Airline und das war soweit ich nicht in einer Parallelwelt gefangen bin Air India. Stay tunned ;)