Mit der Ethiopian A350 Business von Addis Abeba nach Zürich …

Addis Abeba (ADD) – Mailand (MXP) – Zürich (ZRH)
Ethiopian A350 – Business
Deal: 37.500 Miles and More Meilen für Business Sansibar – Addis Abeba – Mailand – Zürich
Champagner: Trouillard
Ethiopian hat wahrscheinlich eines der großzügigsten Stopover-Programme (Review) da draußen. Mit meinem Miles and More Ticket von Sansibar über Addis Abeba (Review) nach Zürich konnte ich das super nutzen. Nach einer wunderschönen Tour durch die Stadt bin ich noch auf Kosten von Ethiopian in ihr Spezialitäten-Restaurant. Eigentlich rechtzeitig vor dem Weiterflug hat mich das Hotel angerufen, ich habe ausgecheckt und der Fahrer für die Gäste der Business von Ethiopian hat mich zum Premium Check-in von Ethiopian gebracht.
Von der Idee her ist ein Premium Check-in eine tolle Sache. Also eigentlich sollte man nahtlos von Check-in, Sicherheit und Passkontrolle ohne Umwege direkt in den Terminal. Hier in Addis Abeba wäre das an sich gegeben. Eine extrem langsame Vorsicherheit beim Betreten des Terminals hat aber den Reisenden der Business hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich lasse Sicherheitskontrollen stoisch über mich ergehen. Hier aber hat diese Sicherheit anderen Reisenden komplett den Nerv gezogen und sie in nervöse Hektik mit Ausrasten versetzt. Nach über einer halben Stunde bei einer vollen Kontrolle – mit Schuhe ausziehen – um überhaupt in den Bereich des Check-ins zu gelangen, ging es für mich bereits mit Ticket am Check-in für die Business vorbei zur nächsten Sicherheit – nochmals Schuhe ausziehen – und zur Ausreise. Baulich könnte man da in 5 Minuten durch sein, in Addis Abeba aber war das ein Prozess von fast annähernd einer Stunde. Gerade weil da ja irgendwie keine Menschenmengen durchgeschoben wurden, hat sich mir das Tempo nicht erschlossen.



Ethiopian hat eine große neue Lounge laufen. Diese Lounge ist enorm geworden und bietet unterschiedlichste Bereiche. An einer Bar vorbei kommt man zu einer Coffee-Station, darauf folgen weitere Buffets mit Essen in großen Schütten. Diese Buffets haben mich nicht so angesprochen und hatten was von Abspeisung. In der Bar mit Barkeeper war wirklich viel los. Auch um die Buffets haben sich die Gäste getummelt. Wenn man weit nach hinten geht wurde die immer leerer, aber auch immer mehr wie ein Ausstellung in einem verlorenen Möbelstudio. Die zweite Bar da hinten war außer Betrieb und es war dort ruhiger. Prinzipiell ist die Lounge sauber gewesen und übergroß, aber wenig reizvoll und ohne Aussicht auf den Flughafen. Entspannend würde ich die mit dem ganzen Trubel jetzt auch nicht wirklich einorden.



Boarding war direkt aus dem Drehbuch „Wie ziehe ich meinen Gästen den letzten Nerv!“. Ethiopian fertigt auch die teuren Strecken nach Europa auf Außenpositionen ab. An sich will man die Situation mit eigenen Bussen für die Business verbessern, aber das war leider ein Griff in die Toilette.
Alle Passagiere der Business mit Flugzeugen auf Außenpositionen treffen sich da an einem Gate. So ca. alle 5-10 Minuten wird da immer ein Flugzeug ausgerufen und abgefertigt. Also man muss da wirklich in der Nähe sein, um diesen Slot nicht zu verpassen. Sie haben auch echt Passagiere abgewiesen, die eben nicht pünktlich zum Slot da waren. Also viele Passagiere drängen sich da um dieses Gate für die Business und damit viel Hektik, laute Durchsagen, großes Chaos. Ja, ein Bus für die Business ist nice, aber so ein Jahrmarkt auch nicht wirklich.
Also eigentlich hat man da auf der unteren Ebene mehrere Busse hingestellt und Mitarbeiter haben die Passagiere auf die Busse aufgeteilt. Es hat dann auch ewig gedauert, bis sich dieser Bus in Bewegung gesetzt hat. Da war natürlich das Boarding der Economy schon voll im Gange und man hat sich da in die Menschentraube einordnen dürfen. Es wundert mich nicht, dass bei Ethiopian jeder Passagier beim Betreten des Flugzeugs nochmals Pass und Boardingpass herzeigen muss. Ich möchte nicht wissen, wie oft am Tag wer von einem falschen Bus in ein anderes Flugzeug einsteigen möchte.



Ethiopian hat einen Teil ihrer A350 mit der Collins Diamond Parallel Hardware für die Business ausgestattet. In 2-2-2 fully-flat – wenn man zu zweit reist – irgendwie in Ordnung. Der letzte Schrei bei der Hardware ist das aber sicher nicht.
Gleich sofort habe ich einen Beschädigung des Sitzes bemerkt. Die Flugbegleiter haben noch einen Techniker geholt, aber die Seitenlehne des Sitzes war hinüber und der konnte auch nichts ausrichten. Beim Hinflug (Review) war es nur ein defekter Bildschirm. Hier jetzt eine kaputte Armlehne. Die Flugbegleiter haben sich zwar entschuldigt und mir nach dem Start einen Wechsel angeboten. Auf einen Doppelsitz mit einem wildfremden Passagier wollte ich mich dann auch nicht setzen. Vielleicht hatte ich einfach nur Pech, aber gleich zwei defekte Sitze bei zwei aufeinanderfolgenden Flüge ist natürlich schon viel.
Am Platz hat ein sehr günstiges Amenity Kit gewartet. Viel Plastik und überaus einfach. Slipper sind immer nice. Einige Gläser Champagner sollte mich nach diesen Kontrollen und dem Boarding wieder erden. Also ruhig und entspannt braucht man da scheinbar keinen Abflug an einer Außenposition erwarten.





Die Speisekarten bei Ethiopian lassen immer eine gewisse Hoffnung auf mehr aufkommen. Sehr vorbildlich hat man die Wünsche schon am Boden aufgenommen. Gerade bei Flügen zu einer fortgeschrittenen Stunde kann man so in der Luft zügiger servieren.




Service war wie man das von ihnen kennt lässig, hier aber sehr indifferent. Flott wurde nach dem Start das Abendessen einzeln ohne Tray und Trolley serviert. Kaffee und Nachspeisen haben sie mit einem Trolley durch die Maschine gerollt.
Das Catering hat mich nicht so umgeworfen. Vorspeise war Lachs auf einer Zitronenscheibe serviert. Hauptspeise war ein Hühnchen mit Schmorgemüse vollkommen ohne jegliche Eleganz. Ich würde sagen Weihnachtsessen im Altersheim oder Sonderklasse im Krankenhaus.





Das Service hat mich irgendwie verwirrt zurückgelassen. An sich waren sie flott, aber nur aufgesetzt freundlich. Die Toiletten waren den ganzen Flug in Ordnung. Dann wieder haben sie Methoden direkt aus dem Drehbuch „Wie quäle ich Passagiere“ ausgepackt. Immer beim Servieren haben sie die Kabine kälter gedreht, dann wenn die Leute schlafen sollen, wurde wieder eingeheizt und die Maschine auf Säuglingsstation gehalten.
Entertainment war super gefüllt. W-Lan leider nicht verfügbar.
Nach einer sehr aufregenden Nacht war die Maschine in Mailand. Auch hier wieder Außenposition und die Passagiere haben erneut eine Busreise gewonnen. Gäste nach Zürich durften sitzen bleiben. Die Stunde am Boden haben die Flugbegleiter die Maschine geputzt und interessanterweise das Service eingestellt. Entertainment ist aber weitergelaufen.
Irgendwann ging es weiter nach Zürich. Der Snack für die kurze Strecke waren altbackene Croissants und Filterkaffee. Ich weiß, Äthiopien ist Land des Kaffees, aber warum keine Kapselmaschinen? Man hat sich nochmals für den defekten Sitz entschuldigt, aber dann waren Fotos von den Alpen im Schnee interessanter.
In Zürich angekommen hat die Maschine natürlich – wie sollte es anders sein – eine Außenposition gewonnen. Hier in Zürich nun ohne eine eigenen Bus für Business, dafür aber nur zwei Busse für alle Passagiere des A350. Welche Freude war das.



Ja, Ethiopian ist ein verlässlicher Player und mit denen kommt man in Afrika auch wirklich an. Das ist sicher ein Argument für sie. Ja, ihr Stopover Programm ist extrem großzügig und das hat mir wirklich gefallen.
Der ganze Flug hat sich mit diesen ewigen Kontrollen am Flughafen, diesem Chaos beim Bus-Boarding in Addis Abeba, dem überfüllten Bus in Zürich angefühlt wie eine Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr in der Rush Hour zum Fußballmatch. Catering war nicht wirklich ansprechend. Es war eßbar aber weit weg von elegant. Ich würde sagen, der Hunger treibt es runter. Zwei defekte Sitze bei einer Verbindung nach Europa fand ich hart. Service war zwar aufgesetzt freundlich, aber ein wenig evil unterwegs und so richtig ins Zeug haben sie sich definitiv nicht gelegt.
Mit diesem Flug haben sie mich nicht wirklich überzeugt. Wer doch viel Geld für exotische Ziele kassiert, sollte doch auch dementsprechend liefern. Sich nur auf Afrika rausreden kann man sich in diesem Preislevel auch nicht wirklich.
Wird in der neuen Lounge noch immer Kaffee auf Holzkohle frisch aufgebrüht? Das war jeweils mein Highlight in Addis…
Ja, die Dame sitzt in einer dunklen Ecke gegenüber der sehr belebten Bar.