REVIEW: Andaz Prag – Junior Suite Review

Review einer Junior Suite im neuen Andaz Prag …

Hyatt hat in Europa ein brandneues Andaz. Damit gibt es wieder eine der seltenen Hyatt Neueröffnungen in Europa. Gleich vorweg, so ein Review macht mir bei einem neuen Hotel einfach keinen Spaß. Ich schreibe eigentlich lieber Lobeshymnen, aber auch so ein Review muss ein.

Über die Preisgestaltung müssen wir gleich am Anfang reden. Man will Opening Offer 320 Euro und dazu kommen noch 40 Euro Steuern dazu, die man aber erst im zweiten Buchungsschritt sieht. Also man ist bei 360 Euro und fürs Parken auf dem Platz vorm Haus nochmals 50 Euro. Prag ist jetzt kein teuer Hotelmarkt. Da spielt das Andaz aber richtig in der Oberliga mit. Vergleichbare Preisgestaltung hat Four Seasons und Mandarin Oriental. Das doch sehr gehobene Preisniveau spielt bei dem Review natürlich eine Rolle.

Die Location des Andaz ist in der Gegend von Marriott und Hilton. Es ist ein lebendiges Viertel und kein touristische Todeszone. Man hat gleich die zwei großen Bahnhöfe um die Ecke und der Wenzelsplatz ist ein paar Minuten zu Fuß entfernt. Mit den Bahnhöfen ist es leider auch ein düsteres Eck. Drogen und Prostitution spielen sich da direkt auf der Straße ab. Man bekommt alles gleich ein paar Meter vom Hoteleingang entfernt. Eine wirklich schöne Premium Location ist es jetzt im Vergleich zu Four Seasons, Mandarin Oriental oder Fairmont nicht wirklich.

Der Herr beim Check-in war super freundlich und bemüht. Leider gab es da eine Reihe von Mitarbeiterinnen, die Luxushotelerie noch nicht ganz verstanden haben. Von Coolness ist es ein ganz kurzer Weg zu Arroganz. Als Globalist Upgrade gab es eine Junior Suite. Der Check-in hat ewig gedauert und leider hat man es nicht geschafft, die Globalist Benefits zu erklären.

Eigentlich hat das Andaz auch bessere Suiten. Derzeit sind die aber wie aus Zauberhand immer am Tag der Anreise aus dem System genommen. Ich verfolge das schon seit einiger Zeit. Wahrscheinlich werden immer Suiten gebucht und ich habe halt zufällig nur eine Junior Suite erhalten. Prinzipiell sollte eine Junior Suite laut Beschreibung mit 60 Quadratmeter sehr in Ordnung sein. Leider passen halt die Beschreibungen nicht auf die Zimmer. Never ever hatte diese Junior Suite 60 Quadratmeter und ein Fenster im Badezimmer müsste man auch noch rausbrechen.

Die Junior Suite war absolut sauber und in einem hervorragenden Zustand. Die Aussicht auf einen Pulverturm und die Dächer von Prag ist natürlich toll. Auf die Details (Gimmicks, Gastgeschenk, kostenlose Andaz Minibar) hat man sehr geachtet. Das Zimmer hatte aber schon einige Probleme. Die Größe war weit weg von einer Suite. Irgendwie hat die Einrichtung den Eindruck gemacht, wie wenn das Geld ausgegangen wäre. Kein Schreibtisch. Kein Kasten (nur 8 Kleiderhaken im Vorzimmer). Kein Vorhang. Ich bin jetzt nicht extrem schambehaftet, aber gleich ein paar Meter gegenüber vom Fenster der Suite ist in dem Pulverturm ein Restaurant. Entweder konnte man mit Blackout vollkommen verdunkeln oder aber das Restaurant hatte vollen Einblick in mein Zimmer. Wenn ich den Gästen im Restaurant beim Essen zusehen kann, dann haben die auch vollen Ausblick in meine Suite. Seltsam fand ich die handwerklichen Eigenheiten der Suite. Diese Blackout Verdunkelung hat den Eindruck gemacht, wie wenn man nachträglich halt irgendwas einbauen hat lassen. Mit diesen schrägen Rollos hat das nicht sehr professionell ausgesehen. Bei der Garderobe beim Eingang hat irgendwie der Oberkasten gefehlt. Die Bar musste man aufgrund der Dachschräge in den Raum rücken. Das hat nicht gewirkt, wie wenn sich da wer Gedanken gemacht hätte, sondern eher überrascht war, dass da eine Dachschräge ist. Ganz schlimm waren die aufgehängten Bilder. Man hat Kunstdrucke einfach willkürlich abgeschnitten, damit sie in die Rahmen hineinpassen. Ganz wild.

Die Hardware des Hotels ist eingeschränkt. Es gibt einen kostenpflichtigen Parkplatz (50 Euro) auf dem Platz vorm Hotel. Fitness und Spa sind nicht sehr luxuriös ausgefallen. Das ist eher so Kategorie günstiges Osteuropa Business Hotel. Und die rosafarbene Tapete mit den langen Gängen im Keller ist richtig gruselig.

Theoretisch hätte es auch das Globalist Frühstück über In-Room-Dining gegeben, aber das hat mir niemand mitgeteilt. Auch die Anfangszeiten des Frühstücks waren der Rezeption nicht so ganz geläufig. Das Frühstück im Restaurant war ein absolutes Highlight. Das Personal war super aufmerksam und freundlich. Bei der Karte hat man sich kreativ ausgetobt. Das war wirklich mal eine hochwertige spielerische Neuinterpretation eines Frühstücks.

Ganz starken Minuspunkt gibt es für Wifi Probleme. 2022 darf bei einem neuen Hotel nicht einfach das Internet ausfallen oder zeitweise unbrauchbar sein. Nicht bei so einer auf Jugend getrimmten Marke wie Andaz.

Beim Service hat das Hotel richtig große Schwierigkeiten (das Restaurant ausgenommen). Da ist man von der Luxushotelerie ganz weit entfernt und weiß nicht was man tut. Eigentlich sollte die Rezeption eine Art Bar darstellen, wo man locker eincheckt. Die Damen der Rezeption haben sich dahinter verschanzt und die vorbeigehenden Gäste gemustert. Von dieser arroganten Attitude bin ich noch immer fasziniert. Auf meine Frage, was denn mit dem nicht-funktionierenden Internet sei, gab es nur die lapidare Antwort, man würde das Problem kennen. Es gab vereinzelt freundliche Mitarbeiter. Da hat man aber gemerkt, dass die geschnitten wurden. Sorry, aber frische Absolventen einer tschechischen Hotelfachschule ohne Auslandserfahrung im Luxussegment und ich, wir sind halt nicht kompatibel.

Das Gebäude ist sehr repräsentativ. Die ehemalige Verwaltung der Zuckerfabriken hat hier im Zuckerpalast sein Headquarter gehabt. Innen hat man entkernt, aber die Zimmer sind trotzdem viele relativ klein. So richtig der Wow-Effekt kommt in den öffentlichen Bereichen nicht auf. Auch das Andaz Branding ist sehr reduziert. Prinzipiell müsste man nur das Schild beim Eingang auswechseln und könnte ein anderes Hotel eröffnen.

Covid-19 Maßnahmen: Tschechien ist bei Covid-19 Maßnahmen eher locker. Die Hotelmitarbeiter haben Masken getragen. Desinfektionsmittel und Hinweisschilder waren vorhanden. Wenn das Hotel stärker belegt ist, könnten die Lifte ein Nadelöhr darstellen.

360 Euro für ein Standardzimmer war noch ein Anfangsangebot. Die Preise steigen im Frühling mit Steuern locker über 500 Euro. Dafür erhält man leider nicht die große Show. Die Zimmer sind eher klein. Design hat mich nicht überzeugt. Service bewegt sich zwischen unbedarft und mangelhaft. Frühstück war toll und ein Highlight. Wenn man in Prag über 500 Euro wie ein Park Hyatt will, dann muss das schon irgendwie auch Luxushotel sein. Das ist es leider nicht. Es kommt eher wie ein gehobenes Business Hotel rüber.

Beim Andaz in Prag zeigt sich die derzeitige volle Problematik der Marke Hyatt. Irgendwie ist der Geist draußen. Man eröffnet randomartig Häuser, die auch locker eine andere Marke sein könnten. Bei der Entwicklung der Hotels wird nicht mehr so wirklich auf den Hyatt Spirit geachtet. Statusgäste sind auch nicht mehr so richtig erwünscht.

Ich wünsche dem Hotel alles Gute. Die können das wirklich brauchen. Bei über 500 Euro für diese Vorstellung kann man nur Glück wünschen und Sorry für den bösen Review. Ich hätte das Hotel gerne gemocht, aber es sollte nicht sein.

Kommentare 6
  1. Witziges Review. Gebe dir Recht, die Bilder könnten auch aus einem Moxy sein. Schon OK, aber nicht 5 Sterne und schon gar nicht Mandarin Oriental.

    Wegen der Bemerkung zu COVID-19: Das Thema ist außer in Deutschland eigentlich überall durch, wer COVID-Schutzmaßnahmen will hat zumindest in Europa und Nordamerika ein schweres Leben. In den meisten westeuropäischen Ländern würden die Mitarbeiter keine Masken mehr tragen.

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    1. Den Moxy Vergleich würde ich nicht machen. Es ist halt aber wirklich nicht 500 Euro. Das ist Preislevel Park Hyatt Wien und das Hotel steht in Wien, hat eine exzellente Hardware und geschliffenes Service. Und Wien ist viel teurer als der Hotelmarkt in Prag.

      Und wenn sie dann mit den Preisen Ende Mai auf 500 Euro hochgehen, dann wäre diese Suite bei 1.000 Euro.

  2. Na da bin ich froh dieses Wochenende wieder zum 8x im Doubletree in Krakau zu sein-:)
    2 Pax inkl. Frühstück als Gold inkl. Lounge und super Spa, Pool und Sauna, late check out und welcome Geschenk um 32 Euro-;))
    Ryanair Flug ab Wien hin+zurück 19 Euro für den kurzen 30 Minuten Flug passt auch.

  3. Dass die Steuern erst im zweiten Buchungsschritt addiert werden scheint in manchen osteuropäischen Ländern der Norm zu sein. Sehr ärgerlich ja, aber längst nicht mehr überraschend.

    1. Danke für den Hinweis. Wirklich, das Parisi Udvar bei Hyatt macht es auch. Aber sonst finde ich in Europa nicht wirklich Hotels, die das machen.

    2. Ich habe noch eines gefunden. Andaz Amsterdam. Früher war das doch immer nur die City Tax und auf einmal ist das auch die Mehrwertssteuer.

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