Die Frage nach dem Verfallenlassen des letzten Fluges ist so eine Sache. Ein deutsches Gericht hat nun eine sehr interessante Entscheidung getroffen …

Wer auf Vielfliegertreff schon mal länger unterwegs war, wird wahrscheinlich über diese Diskussion gestolpert sein. Sie beginnt so:

“Hallo zusammen,
ich habe leider ein paar dumme Fehler gemacht, und jetzt einen bösen Brief von der Lufthansa bekommen.
Ich habe im April einen der günstigen Return Business Tarife von Skandinavien nach Nordamerika genutzt.
Einige Zeit später habe ich dann einen weiteren Flug gebucht: Hierbei hatte ich mich entschieden das letzte Leg meiner ursprünglichen Buchung nicht anzutreten. Stattdessen habe ich einen weiteren Lufthansa Flug gebucht, von FRA bis zu meiner Endstation. (Mein wohl gröbster Fehler an dieser Geschichte.)
Die Lufthansa hätte jetzt gerne die Differenz zur gleichen Verbindung aber ohne das letzte Leg erstattet – ein vierstelliger Betrag.”

Die Diskussion auf Vielfliegertreff: LH stellt bei Nichteinhaltung der Couponreihenfolge nachträglich Differenz in Rechnung

Ein Passagier hat zufällig seinen Weiterflug an den Ausgangspunkt der Reise versäumt. Kann ja schon mal passieren und es ist wahrscheinlich vielen meiner Leser schon mal so ergangen ;)

Er hatte aber mit einem Ticket das Verfallenlassen schon geplant und auch Lufthansa als Weiterflug gebucht gehabt. Lufthansa wollte dann die Differenz für den anderen Ankunftsort. Der Gast hätte die einzelnen Segmente nicht ordentlich abgeflogen. Der andere Rückkehrort hätte einen viel höheren Preis verursacht.

Jetzt hat es zu dieser Geschichte einen Show-Down gegeben.

Auf der Homepage der Anwaltskanzlei finden wir den weiteren Verlauf. Lufthansa wollte die Klage gegen den Passagier wieder fallen lassen:

“Nachdem das Gericht in der mündlichen Verhandlung eine grobe Tendenz bekanntgab, die nicht zu Gunsten der Lufthansa ausfielt, versuchte der Rechtsanwalt, der Lufthansa vertrat, zunächst den Termin zur Verkündung einer Entscheidung nach hinten zu verschieben bis dann etwas folgte, was offenbar als Versuch der Notbremsung verstanden werden konnte: Lufthansa wollte die Klage zurücknehmen.”

Man hat es durchgezogen. Lufthansa konnte die Klage aus juristischen Gründen nicht mehr zurücknehmen. Eine Entscheidung wurde getroffen:

“Am 10. Dezember 2018 wurde das Urteil verkündet: Die Klage wurde abgewiesen.
Das Gericht geht davon aus, dass die Regelung in den Beförderungsbedingungen der Lufthansa, die Grundlage für eine Nachberechnung sein sollte, zumindest gegen das Transparenzgebot des § 307 Abs. 1 S. 2 BGB verstößt. Danach liegt eine unangemessene Benachteiligung des Kunden mit der Folge der Unwirksamkeit der Regelung dann vor, wenn die Bestimmung nicht klar und verständlich ist.
Grund hierfür ist nach Ansicht des Gerichts der Umstand, dass der Kunde nicht herausfinden kann, welcher Flugpreis zum Buchungszeitpunkt für die geänderte Verbindung gegolten hätte. Auch sehen die AGB keine Deckelung der Nachzahlung vor.”

Die volle sehr lesenswerte Story auf der Homepage der Anwaltskanzlei:

AG Berlin-Mitte: Beförderungsbedingungen von Lufthansa teilweise unwirksam

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.