Kein First Produkt hat in letzter Zeit so viel mediale Resonanz erzeugt wie die Etihad A380 The Residence. Es ist das jenes Produkt mit Wohn-, Schlaf und Badezimmer im A380. Das Produkt hat eine klare Zielrichtung. Klassische Privatflugzeuge haben eine begrenzte Reichweite und sind auf sehr langen Strecken ein wenig unbequem. Meine Eltern haben mich als Kind mit Flügen in Privatjets in Afrika gequält. Wer schon einmal mit einem Learjet durch ein Unwetter geflogen ist, wünscht sich eine große Passagiermaschine. Die können mit Turbulenzen besser umgehen, man fühlt sich nicht wie ein Ping-Pong-Ball und sind deswegen gerade bei längeren Distanzen bequemer.

Der Preis für dieses Produkt ist stolz. Für zwei Passagiere (The Residence ist für zwei Gäste ausgelegt) möchte man auf der Strecke Abu Dhabi – New York Oneway 30 0000 Euro. Das ist das Mehrfache eines klassischen First Produktes auf der gleichen Strecke. Was man dafür bekommt beschreibt Etihad in einem eigenen Werbevideo mit Dannii Minogue:

Das ist jetzt nicht der Neid der Besitzlosen, sondern die legitime Frage, ob dieser Preis gerechtfertigt ist?

“… a luxury limousine …”

In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es für alle First und Business Gäste das Limousinenservice von Etihad. Das wäre zwar eine coole Geschichte, wenn man nicht gerade auf überarbeitete Lohnfahrer trifft. Mein letzter Trip mit dem Limousinenservice von Etihad war gefährlich und lebensbedrohend. Ich hoffe man bekommt als ein The Residence Kunde andere Fahrer. Ich schätze einmal, es ist das die gleiche Truppe wie man sie bei einem First oder Business Transfer bekommt. In anderen Ländern verwendet Etihad angemietete Limousinenservice-Dienste. Ob das den Preis von 30 000 Euro dann rechtfertigt, wage ich zu bezweifeln. Mit einigen hundert Euro bekommt man schon eine echt schöne Hotellimousine.

“… private check-in and lounge …”

In Abu Dhabi landet man in einem abgesperrten Bereich der Etihad Premium Lounge. Eigentlich ist die Etihad Premium Lounge eine Business Lounge. Für die Gäste der First gibt es einen eigenen Sitzbereich. Mit einer roten Kordel abgesperrt! Und für die Gäste von The Residence hat man eigenen Raum. In diesen Bereich kann man aber von der normalen Lounge auch reinsehen. Soweit ich das mitbekommen habe, teilt sich The Residence die Naßräume mit der Etihad Premium Lounge. Man zahlt also 30 000 Euro und muss auch in einer Schlange für den Besuch der Toilette warten.

Wer ein wenig mehr über die Etihad Premium Lounge lesen möchte: Abu Dhabi Etihad Premium Lounge / 2 Bei meinen letzten zwei Aufenthalten war da wenig von Premium zu spüren.

“… your butler …”

Als The Residence Gast erhält man einen eigens abgestellten Flugbegleiter. Das Verhältnis von 1:2 ist aber in einer First nicht außergewöhnlich. Bei einem Flug von 12 Stunden wird dieser Butler auch nicht durchgehend im Dienst sein und damit sind wir wieder beim klassischen First:Flugbegleiter Verhältnis in einer First.

“… there’s a chef on board …”

Das ist das First Konzept von Etihad. Bei Flügen mit einer First hat Etihad einen spezialisierten Steward mit. Da unterscheidet sich The Residence nicht von den anderen First Produkten von Etihad.

“… a three room cabin …”

Bei einer Beschreibung einer Wohnung, würde ich mich fragen, wo denn der dritte Raum ist. Es gibt ein Wohnzimmer, das eigentlich nichts anderes als das Etihad A380 First Apartment ist und ein Schlafzimmer. Ja, es gibt ein eigenes Badezimmer, aber ein Badezimmer ist ein eigener Raum?

“… a flatscreen tv …”

Naja. Fernsehen, der Spaß der einfachen Leute. Wirklich, sehr sophisticated. Wie schlechte Eltern ihre Kinder vor einen Fernseher setzen, wird man von Etihad auch mit diesem Medium beglückt. Aber diese neumodische Erfindung lässt mich sicher ein 30 000 Euro Ticket buchen. In der Economy gibt es ja keinen Fernseher. So etwas wäre zu kompliziert jedem Fluggast anzubieten und so ausgefeilte Technik, die gibt es nur in The Residence ;)

“… ensuite bathroom …”

Ein eigenes Badezimmer mit Dusche ist wirklich nett, wobei es natürlich vom ökologischen Standpunkt ein Hammer ist. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob ich mich in einer Flugzeugtoilette wirklich duschen möchte.

“… your double bed …”

Ein in der Ecke stehendes Bett ist ganz in Ordnung. Derzeit ist die Umwandlung eines First Sitzes in ein Bett State of the Art. Gibt es noch klassische First Produkte, die man nicht in ein Bett verwandeln kann?

Wer einen weiteren Einblick haben möchte, sei auf den A380 Trip Report von The Points Guy verwiesen. Es geht da von New York nach Abu Dhabi:

Ein reguläres und teures First Ticket einer Premium Airline kommt bei der Langstrecke Oneway auf 5 000 Euro. Natürlich kann man das mit Meilen stark senken und ich habe ja bereits bewiesen, dass man das A380 Apartment Produkt auch viel billiger haben kann: Etihad A380 APARTMENT buchen ist so geil!!!

Bei einem American Airlines Meilenverkauf und der Buchung des Etihad Apartments kommt ein First Apartment Flug von Abu Dhabi nach New York auf 1 750 Euro. Nach Sydney geht es dann schon um 1 250 Euro und London um 900 Euro. Auch im Apartment hat man die Möglichkeit zu duschen. Gut, man bekommt kein eigenes Schlafzimmer, aber sonst deckt sich das Produkt schon sehr stark. Man fliegt aber eben nur im First Apartment und nicht in The Residence.

Wer keine 30 000 Euro für den Flug von New York nach Abu Dhabi ausgeben möchte, kann The Residence auch auf der Strecke Mumbai nach Abu Dhabi testen. Um 4 500 Euro fliegt man da zu zweit in The Residence.

30 000 Euro sind überzogen. Der Unterschied von 25 000 Euro zu einem regulär und bereits zu teuer gekauften First Ticket ist schwer zu rechtfertigen …

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